Dem der nun einwenden will: "Wenn es dir nicht passt, dann geht doch woanders hin!", dem danke ich für den Beitrag. Genau darum geht es mir.
Lasst uns näher hinsehen

Das letzte Mal progressiv war Tägerig 1955 und dann war auch gleich fertig. Laut der offiziellen Website kam 1920 Strom, 1924 Wasser und eben 1955 baute Tägerig eine ARA, wohl auf Geheiss des Kantons (Tägerig Homepage - Wirtschaftliche Entwicklung). Genau so sieht Tägerig auch aus, Verwahrlosung allenthalben. Eine Geschichte die 1955 aufhört. Ich würde die drei Ereignisse nicht unter den Titel Wirtschaftliche Entwicklung setzen. Neues Mehrzweckgebäude, nach meiner Schätzung um 1990 - fehlt. Altersheim - fehlt. Gemeindehaus - fehlt. Eine Triste Kläranlage ist es, die 1955 die Wirtschaftliche Entwicklung von Tägerig beendet. Bleiben tut ein Steuerfuss, der laut Misswirtschaft schreit.
In Tägerig sieht man provisorisch mit Styropor Wärmegedämmte Schaufenster von längst konkursitem Betrieb. Verfallende Gebäude, verfallende Wohnwagen, ungepflegte Gärten und Häuser.
Tägerig hat einen Kreuzgang, den man unter dem Titel "Jesus verblichen hinter Gittern" subsummieren möchte. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Betonpfosten einmal attraktiv und christlich gewirkt haben. Und wieso müssen die Nummern in einer Schriftart aufgepinselt sein, die auch die Armee verwenden würde?
Würde es erstaunen, wenn hier eine Hochburg von Bildungsferne und Bigotterie wäre? Ein Biotop für Denunziation, Neid, Missgunst?
Nein Tägerig ist nicht so schlimm. Nicht alle beobachten die Nachbarn mit Ferngläsern. Es gibt gesellige Leute in unserer Nachbarschaft. Sie sind halt italienischer Abstammung.
Es gibt auch ein modernes Tägerig. Neubauten, die sich unkoordiniert irgendwo hinpflanzen und stark mit Wohnungsbau aus den Siebzigern kontrastieren.
Ich schreibe etwas bitter-sarkastisch, durchaus. Soll es etwas Positives sein? Etwa, dass der Sportplatz immer gut gepflegt ist? Dass der Volg-Laden freundlich ist? Dass die Grünabfuhr gratis ist?
Lasst uns zurückkehren zum Titel dieses Posts: "Ein erfolgloses Dorf von bigotten Erbsenzählern." Ich habe diesen Satz geprägt am zweiten Tag als wir hergezogen sind.
erfolglos sieht man am Steuersatz und was in Tägerig alles nicht existiert. Zum Beispiel spürbarer Optimismus, Freundlichkeit, Stolz, Dorfleben, Entwicklung.
bigott Nun, da mag meine Vorliebe für Evidenz mitschwingen. Ich habe zwei Bilder eingefügt. Eine Betonstele des Kreuzgangs worin eben der verblichene Jesus in blassblauen Farbtönen hinter Gittern dahinvegetiert. Als Zweites ein Spruch, angebracht an einer Fassade eines tristen Gebäudes unübertrefflich in Symbolik.
Erbsenzähler Eine lustige Anektote. In Tägerig sind die Abfallkübel und Robidog speziell blockiert, damit man es möglichst schwer hat Abfall da zu entsorgen. Ich habe einem Gemeindemitarbeiter geschrieben, dass man den Eindruck kriegt, Abfall entsorgen sei unerwünscht und man würde es vorziehen, dass gerade der grossvolumige Abfall in der Almend liegenzulassen würde. Ich befürchtete ernsthaft zu sarkastisch gewesen zu sein, wurde aber von der Realität überholt. Der Grund für die Streben, die den Einwurf blockieren - so die Erklärung - sei, weil sonst Pizzakartons eingeworfen würden und dann der Abfallbehälter benutzt aussehen würde. Ich nahm das als Anzeichen, dass offenbar der Sinn eines Abfallbehälters nicht verstanden ist.
Erbsenzählerei ist auch der Hinweis, dass man nicht schräg einparken soll und ja, der Hund macht einen Schritt zu viel, die Katze scheisst zu viel, der Lärm des Nachbarn ist zu viel, der Nachbar sitzt zu oft draussen, überhaupt wieso brennt da Licht spätabends und was arbeitet der?
Geht es besser?
Bestimmt! - eine Vision, nicht auf Realisierbarkeit überprüft: Bildung hochhalten, weg mit dem Pessimismus. Ein Leitbild der Gemeinde erstellen, das positiv ist und in der Zukunft aufhört statt 1955. Kirche und Tradition unterstützt Bildung und Erfolg. Nicht nur der FC strebt nach Erfolg, die ganze Gemeinde. Neues wird angenommen. Abfall in Abfallkübel entsorgen ist nicht schlecht. Abfallkübel leeren ist nicht schlecht. Der Bürger ist nicht schlecht. Andere Gemeinden dieser Grösse erreichen Energielabel, andere Auszeichnungen, haben lebendige Vereine. Tägerig könnte das, wenn es wollte. Ich bin sicher!